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Symposium: Wunde(r) Natur. Die Lyrik Christian Lehnerts

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Das Symposium untersucht Erscheinungsweisen von Natur in der Lyrik Christian Lehnerts und deren ökologisches Potenzial im Anthropozän.

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Christian Lehnert gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Gegenwartslyriker/innen, in deren Schreiben Naturphänomene nahezu allgegenwärtig sind. Die poetischen Erkundungen der nichtmenschlichen Lebenswelt – von Tierarten, Mikroorganismen, Pflanzen, Wettererscheinungen und zahlreichen weiteren Natur- und Landschaftsphänomenen – changieren in den Gedichten zwischen detaillierter Beobachtung, naturkundlicher Erfassung und hochgradiger Verdichtung des Physisch-Materiellen, bei der dieses häufig von sinnbildlich-religiöser Semantik durchzogen erscheint sowie, ausgesprochen oder unausgesprochen, aufs Engste mit der Reflexion auf die sprachliche Konstitution von Natur sowie der menschlichen Wahrnehmung verschränkt wird. Für die literarische Qualität seiner Lyrik wurde Lehnert im Jahr 2018 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing mit der Begründung geehrt, dass in seinen Gedichten „die Natur mehr als nur Gegenstand der Wahrnehmung und der poetischen Verarbeitung ist“. In dem Symposium geht es um die Frage, wie sich dieses ‚Mehr‘ der Naturkonstruktionen in Lehnerts vielgestaltiger Lyrik präziser fassen lässt. Wie wird das Mensch-Tier-Natur-Verhältnis gestaltet? Welche literarischen Traditionslinien werden produktiv gemacht? Worin bestehen Gemeinsamkeiten mit bzw. Differenzen zu anderen zeitgenössischen Autorinnen und Autoren eines (deutschsprachigen) Nature Writing? Welche besonderen Deutungsperspektiven auf die Natur entstehen durch das Anknüpfen an alte religiöse und theologische Traditionen? Diese und weitere Fragen sollen im Zentrum des Symposiums stehen; Nicht zuletzt soll die Diskussion zu einem besseren Verständnis des Reflexionspotenzials von Lyrik in Bezug auf das prekäre Verhältnis zwischen dem Menschlichen und Nichtmenschlichen vor dem Hintergrund von verschärfter Umweltproblematik und Naturbeschädigung im Anthropozän gewonnen werden und welche alternativen Zugänge zu dem, was unter ‚Natur‘ gefasst wird, in der Lyrik denk- und erfahrbar werden.

Das Symposium findet im Rahmen des IRC-Forschungsprojekts „Speaking the Predicament. Words and Stories for the Anthropocene“ statt.

Die Veranstaltung wird freundlich unterstützt vom Irish Research Council New Foundations Scheme.

Vortragende und Programm

Alle Zeitangaben (Vortragszeit mit anschließender Diskussionsphase) zunächst nach irischer/britischer Uhrzeit und in Klammern nach der MEZ. Der Zeitunterschied von Irland/UK zu Deutschland beträgt 1 Stunde (+ 1 Stunde).

12:00–12.30 Uhr (13:00-13:30): Caitríona Ní Dhúill (UCC Cork): Begrüßung und Vorstellung des IRC-Forschungsprojekts „Speaking the Predicament. Words and Stories for the Anthropocene“

12:30–13:20 Uhr (13:30-14:20): Henrieke Stahl (Universität Trier): Pneumatosophische Naturauffassung und die Lehre vom dreifachen Schriftsinn in Christian Lehnerts Lyrik

13:20–14:10 Uhr (14:20-15:10): Solvejg Nitzke (TU Dresden): Baumgespräche. Neue Botanik und sehr altes „Nature Writing“

14:10–15:00 Uhr (15:10-16:00): Hanna Bingel-Jones (UCC Cork): Die Verbindung von religiöser, ökologischer und poetologischer Naturreflexion bei Christian Lehnert. Zwischen Schöpfungslob und Aporie

15:00-15:30 Uhr (16:00-16:30): Abschluss

Abstracts

Prof. Dr. Henrieke Stahl (Institut der Slavistik, Universität Trier)

Pneumatosophische Naturauffassung und die Lehre vom dreifachen Schriftsinn in Christian Lehnerts Lyrik

Christian Lehnert entwickelt in seinem Denken und lyrischen Schaffen einen Zugang zur Natur, der nicht nur an die Tradition mystischer Naturweisheit - wie Böhmes Signaturenlehre – anschließt, sondern auch an die von Origenes begründete Hermeneutik eines dreifachen Schriftsinns. Lehnert gewinnt hierdurch die Möglichkeit, Ebenen in der Natur und ihre Relationsformen zum Menschen zu differenzieren und zugleich die Grenzen zwischen Natur und Mensch transparent zu machen, ohne diese in einer Einheit – sei sie geistiger, sei sie physischer Art - zu nivellieren.

Dr. Solveijg Nitzke (Institut für Medienwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur, Universität Dresden)

Baumgespräche. Neue Botanik und sehr altes „Nature Writing“

Denkende Wälder, erzählende und sprechende Bäume, fürsorgliche Koexistenzen – in den letzten Jahrzehnten hat sich der Blick auf arboreale Gemeinschaften fundamental geändert. Peter Wohllebens und Richard Powers Baum-Bestseller sind nur die Spitze eines Diskurses, dessen generische Vielfalt der im Wald in nichts nahesteht. Welche Rolle nun spielen Christian Lehnerts „Baumgespräche“ in diesem Kontext? Greifen sie neue botanische Erkenntnisse auf, reagieren sie auf neue Pflanzenphilosophie und sprechen damit über einen „Trend“? Oder gestalten sie gar ein Gespräch zwischen den neuen und alten Weisen, sich mit Bäumen in Verbindungen zu setzen? Diese Fragen sollen im Vortrag zu einer Annäherung an Christian Lehnerts eigene „arboreale Poetik“ führen.

Dr. Hanna Bingel-Jones (German Department, University College Cork)

Die Verbindung von religiöser, ökologischer und poetologischer Naturreflexion bei Christian Lehnert. Zwischen Schöpfungslob und Aporie

In Christian Lehnerts Naturthematisierungen kommen die Beschädigungen und Irritationen im Verhältnis des Menschen zur Tier- und Umwelt, aber auch die Suche nach religiös bestimmtem Heil zum Ausdruck. In der wechselseitigen Durchdringung von ökologischer und religiöser Thematik zeigen sich neben einer hermetischen Traditionslinie auch Einflüsse einer älteren geistlichen Naturlyrik, deren Strukturmodelle, wie etwa doxologische Formeln oder das Zusammenwirken von konzentrierter Beobachtung und meditativ-spiritueller Reflexion, bei Lehnert sowohl affirmativ aufgegriffen als auch resemantisiert werden. Im Vortrag wird gezeigt, wie Lehnert im transformierenden Dialog mit der literarischen und theologischen Tradition nach neuen poetischen Ausdrucksformen für literarische Naturentwürfe unter transzendenzbezogenen Perspektiven sucht und zugleich die sprachlichen Aporien einer solchen Suche mitreflektiert.

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Organiser Environmental Research Institute, UCC

Organiser of Symposium: Wunde(r) Natur. Die Lyrik Christian Lehnerts

The Environmental Research Institute (ERI) at University College Cork was created in 2000 as a flagship University Institute to bring together researchers working in the broad environmental field to address complex global sustainability challenges. The research mission of the Environmental  Research Institute is to generate new research knowledge for the understanding and protection of our natural environment, and develop technologies, tools, services and policy knowledge to facilitate a transformation to a zero carbon, resource efficient, and sustainable society. 

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